Die Herolde von Sehusa, eigentlich das sinfonische Blasorchester des MTV Seesen, sind seit dem ersten Sehusafest 1975 Teil von Norddeutschlands größtem historischem Fest. Das MTV Blasorchester prägt bereits seit mehr als 50 Jahren mit seiner modernen Blasmusik die Kultur der Stadt am Harz. Neben dem stilechten Fanfaren- und Trommelspiel der Herolde, gibt es beim Sehusafest eine große Auswahl an historischer und mittelalterlicher Musik, die bis zum Barock reicht. Das Blasorchester intoniert auf dem Sehusafest außerdem auch Stücke, welche eigentlich noch aus jüngerer Zeit (17.-Jahrhundert bis heute) stammen, aber von ihrem Charakter in ein mittelalterliches Fest passen.

 

 

 

Aber was ist ein Herold?

 

Das Wort Herold, im 14. Jahrhundert als heralt in die mittelhochdeutsche Sprache eingegangen, kommt zunächst aus dem altfranzösischen héraut, hiraut. Letzteres geht auf das althochdeutsche hariowalt ("Heerwalter") zurück, ursprünglich vermutlich Personen, welche die Symbole der Götter und der Geschlechter  kannten. Der Herold war im Mittelalter ein offizieller Bote eines Lehnsherrn, eine Vorform des Diplomaten. Herolde waren Kenner des einschlägigen Rechts (Anfänge des Kriegs-, Urkunden- und Staatsrechts). Sie genossen diplomatische Immunität und waren an einen eigenen Ehrenkodex gebunden, der das Tragen von Waffen oder das Ausspionieren gegnerischer Stellungen verbot. Die Herolde waren u. a. verantwortlich für die Identifizierung der Ritter anhand ihrer Wappen im Turnier bzw. im Krieg. Zu diesem Zweck wurden Wappenrollen aufgezeichnet, die die Unterscheidung von Wappen erleichterten. Diese Verzeichnisse waren in einer besonderen Fachsprache abgefasst, die eine eindeutige Beschreibung, das Blasonieren (von französisch blason - Wappen), erleichterte. Der Gehilfe und die Vorstufe zum Herold ist der Persevant (von frz. poursuivant = der (dem Herold) Nachfolgende; Amtsanwärter). Herolde besaßen meist Fanfaren oder Trommel, mit denen sie sich ankündigten oder um Gehör baten, um Mitteilungen zu verkünden. Ab dem 12. Jh. trat diese Personengruppe deutlicher in Erscheinung  und nahmen auf Grund ihrer Wappenkenntnisse wichtige Aufgaben als Beobachter bei kriegerischen Auseinandersetzungen, als Sachverständige im ritterlichen Turnier oder als Kuriere im diplomatische Auftrag war. Die Heraldik (auch Heroldskunst), abgeleitet von dem Wort Herold, bedeutet Wappenwesen und umfasst die Bereiche Wappenkunde, Wappenkunst und Wappenrecht. Wichtige Grundlagen für die historische Heraldik bilden neben wenigen erhaltenen Originalschilden und Siegel, auch Wappenverzeichnisse der Herolde, die sie auf Grund Ihres Amtsbereiches oder zu besonderen Anlässen angelegt hatten. In den Dichtungen der Minnesänger werden diesen Personen als Garzune (frz. garcons), Krogierer (Ausrufer) oder Knappen von den Wappen bezeichnet und dem fahrenden Volk zugerechnet.

 

Der Aufstieg der Herolde hängt besonders mit der Abhaltung von Turnieren im 12.und 13. Jh. zusammen. Aufgrund ihrer Kenntnisse im Wappenwesen waren die Herolde bei kriegerischen Angelegenheiten für die Musterung der Vasallen und ihrer Wappen, sowie für die Zusammenstellung von Aufgebotsrollen und Gefallenenlisten zuständig. Die Anwesenheit eines Herolds bei einem Gefecht ist erstmals 1173 nachweisbar. Herolde waren grundsätzlich unbewaffnet, mussten sich bei Kampfbeginn von der Fahne ihres Herrn weit entfernen, da sie den Verlauf des Kampfes und das Verhalten der Kämpfer beobachteten und meldeten. Nach dem Kampf trafen sich die Herolde beider Seiten auf dem Schlachtfeld. Dort entschieden sie gemeinsam, wer der Sieger des Tages war. Verlierer war derjenige, aus dessen Gefolge die meisten Toten stammten. Dies zeigt die Bedeutung der Herolde. Von Herolden gegen Ende des 13. Jh. geschaffene Verzeichnisse sind z. B. noch die frz. Flandern-Rolle von 1297 und die englische Falkirk-Rolle von 1298 erhalten.

 

In der zweiten Hälfte des 14. Jh., als die Amtsbezeichnung "Herold" sich in den meisten europäischen Ländern verbreitet hatte, waren die Herolde zu einer gefestigten  Stellung aufgestiegen. Bei der Vorbereitung und Abhaltung von Turnieren waren sie anerkannte Experten und traten besonders bei der sog. Helmschau in Erscheinung, bei welcher die Schilde und Helmzierden der Teilnehmer geprüft und ihre Turnierfähigkeit mittels Ahnenproben beurteilt wurden. Auch bei Krönungszeremonien und Begräbnissen waren sie aufgrund ihrer Kenntnisse gesucht Ratgeber. In Kriegszeiten hatten sie die Aufgabe, Erhebungen in den Ritterstand am Vorabend von Schlachten zu protokollieren, nach Rittern unter den Toten zu suchen und die Heldentaten von hervorragenden Kämpfern aufzuzeichnen. Diese Heldentaten wurden dann in der Heroldsdichtung vorgetragen.

 

Kurz gesagt: Herolde überprüften die Turnierordnung; sie waren diejenigen, die die weitestgehenden Kenntnisse über die Familienzusammengehörigkeiten besaßen. Herolde hatten sich zu überzeugen, daß ein Ritter turnierfähig und damit von adeliger Herkunft war. Sie ritten auf Feldzügen und Reisen den Herren voraus, um deren Kommen anzukündigen.